Donnerstag, 12. November 2015

"Lovers in Crime" - Part II

„Noch ein wenig Dom Perignon, der Herr?“ „Gern, vielen Dank“. Der Kellner schenkt den Rotwein nach und verabschiedet sich mit einem höflichen Kopfnicken und der Frage, ob sonst alles in Ordnung gewesen sei. Bei so wohlhabenden Gästen wäre eine weniger zuvorkommende Bedienung unangebracht.  „Es war absolut vorzüglich, vielen Dank“. Jake steckt dem Kellner ein Trinkgeld in die Westentasche und bedeutet ihm, sich zu entfernen.
Jake und Amy waren früher oft in an diesem Restaurant vorbeigegangen, wenn sie durch die Stadt geschlendert waren. Hunderte Male hatten sie sich vorgestellt, wie die viel zu kleinen Portionen auf den polierten Tellern, gereicht von Pinguin-Kellnern, auf der Zunge zergehen würden. Wie der Wein, der das Monatsgehalt eines Angestellten verschlingt, sanft den Gaumen kitzelt und kühl den Hals hinunter rinnt. Es war eine Utopie gewesen.



Amy streicht sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Ihre grazilen Finger werden von ellenbogenlangen Seidenhandschuhen umhüllt. Sie greift nach dem Glas Rotwein vor ihr auf dem Tisch und führt es an ihre rot geschminkten Lippen. Die Verkäuferin hatte ziemlich dämlich geschaut, als Amy und Jake in zerfetzten Klamotten, aber mit jeder Menge Bargeld in das Geschäft gekommen und den teuersten roten Lippenstift verlangt hatten, der im Sortiment war. Der Wein schmeckt absolut köstlich! Langsam senkt sie das Glas und schaut rüber zu Jake, der in die Tageszeitung vertieft ist. Ob er wohl einen Teil der Beute in Aktien angelegt hatte? Zuzutrauen wäre es ihm. Eigentlich war es ihr aber auch egal. Sie waren aus dem zerfallenen Haus entkommen und müssen sich nun erstmal nicht mehr um ihre finanzielle Versorgung kümmern.



 „Hey Baby“. „Ja Süße?“  „Das war eine großartige Idee. Den Juwelier so auszurauben, dass es aussieht, als hätte er es auf Versicherungsbetrug angelegt. Böse, aber so kommt uns niemand auf die Spur. Baby, wir können endlich das Leben genießen! Ich war noch nie in Venedig. Lass uns nach Venedig gehen und in kleinen Gondeln durch die Kanäle fahren. Lass uns ans Meer fahren, wo wir in der Sonne liegen, Cocktails mit kleinen Schirmchen drin schlürfen und uns einen fürchterlichen Sonnenbrand auf dem Bauch holen. Lass uns 10 Pizzen bestellen, nur das Innere essen und den Rand liegen lassen. Lass uns…“ „Hey Süße, ganz ruhig. Das werden wir alles machen. Und noch viel mehr! Versprochen.“







 Amy betrachtet die Waffe, die vor Jake auf dem Tisch liegt. Sie ist das einzige, was ihr noch Bauchweh bereitet. Und das weiße Pulver, das sie fein säuberlich abgepackt in Jakes Jackettasche gefunden hatte. Aber sie vertraut ihm. Langsam steht sie von ihrem Stuhl auf, schreitet um den Tisch und stellt sich hinter Jake. Nach einem Kuss auf die Wange haucht sie leise in sein Ohr: „Egal was kommt – wir bleiben zusammen. Nicht wahr?“ „Nichts auf dieser Welt wird uns trennen, Süße“. Doch irgendwie hat Amy ein seltsames Gefühl. Alles ist doch gut – oder?   





Kommentare:

  1. Tolle Fotos, die Idee mit der Geschichte zu den Bildern finde ich sehr gut! Wird es noch einen dritten Teil geben?

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  2. Hallo Angy :) Danke dir! Ja, ein dritter Teil ist in Planung. Es wird um den Absturz der beiden gehen und der Story einen spannenden Abschluss liefern.

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