Donnerstag, 15. Oktober 2015

"Lovers in Crime" - Part I



„Scheiße, scheiße, scheiße!! Verfickte Scheiße! Ich wusste, das geht in die Hose!“ Um ein Haar wäre Amy über die Balken auf dem Boden des verlassenen Hauses gestolpert. Jake lief zwei Schritte voraus, um sicherzustellen, dass sie nirgendwo einbrechen würden. Sie waren auf der Flucht durch den Wald an dem alten, runtergekommenen Gebäude vorbeigekommen und wollten sich dort in dieser Nacht verstecken. Vor den Hunden, den Knarren, dem Gesetz. Was hatten sie sich auch dabei gedacht? Einfach mal kurz die Bank überfallen und für den Rest ihres Lebens ausgesorgt haben? Pah! 

„Komm weiter, Baby! Gleich haben wir es geschafft.“ Jake nahm ihre Hand und zog sie mit sich in die Ecke des Saales, in dem früher bestimmt einmal rauschende Feste mit hübschen Frauen in Kleidern stattgefunden hatten. Amy hatte dazugehören wollen. Zu den feinen Damen, die die Hand zur Hilfe gereicht bekommen, denen der Hof gemacht wird und die mit Diamanten beschenkt werden. Sie und Jake kamen aus sehr armen Verhältnissen. Sie wohnten damals im selben Viertel und hatten schon als Kinder zusammen Bonnie und Clyde gespielt. Und wie das Leben so spielt, verliebten sie sich irgendwann ineinander. Jake versprach ihr, all ihre Träume Wirklichkeit werden zu lassen. Nur dazu brauchten sie Geld….


„Bleib an der Wand! Fuck! Ich hör sie noch, kann aber nichts sehen. Verdammt nochmal, Amy, beweg dich nicht! Und halt die Klappe!“ „Sei nicht immer so grob zu mir Jake!“ „Psssst!“ Das Geschrei aus der Ferne wurde leiser, die Schritte im Geäst verstummten. Nun waren sie allein und vorläufig in Sicherheit. „Kannst du sie noch sehen?“ Amy stand die Angst ins Gesicht geschrieben. „Nein, sie sind weg. Fuck.“ „Und was machen wir jetzt?“ „Warten.“ „Tolle Idee!“ „Hast du eine bessere?“ „Wie denn? Ich war bis eben mit Wegrennen beschäftigt.“ 

 "Und ich nicht, oder wie?“ „ Du bist doch derjenige mit den tollen Plänen! ‚Komm Baby, wir überfallen einmal die Zentralbank, dann setzen wir uns nach Teneriffa ab. Niemand wird uns finden, das Ganze ist perfekt!‘ Ja, ich sehe, wie perfekt es ist! Du hast mir versprochen, dass nichts schief gehen kann! Und jetzt sitzen wir hier fest und verhungern wahrscheinlich die nächsten Tage! Jake! Schau mich wenigstens an, wenn ich mit dir rede! Jake!“ „Ich muss nachdenken! Schrei mich nicht an! Kannst du dir nicht die Haare machen, oder so nen Quatsch?“ 

 
 
„JAKE! Scheiße! Wie konnte ich mich nur auf so einen Schlappschwanz verlassen?“ Mit einer schnellen, ruckartigen Bewegung drehte sich Jake um, packte Amys Hals und drückte sie mit dem Rücken gegen Wand. „So, jetzt reicht‘s! Du mieses kleines Drecksstück! Das geht zu weit! Wenn du nicht augenblicklich die Klappe hältst, knall ich dich ab!“ Amys Augen verrieten ihren Schock. Doch sie wusste, was Jake für sie empfindet. Schwer atmend erwiderte sie: „Na los. Mach doch. Tu es! Erschieß mich!“ Jake sah sie eindringlich an, sein ganzer Körper zitterte. In seinem Inneren tobten die unterschiedlichsten Gefühle. Liebe, Hass, Verzweiflung, Angst… Was würde triumphieren? Amys Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. Sie flüsterte nur noch. „Du kannst es nicht, nicht wahr? Dafür liebst du mich zu sehr…“ Der Lauf der Knarre drückte sich fester an ihre Kehle. Für ein paar unendlich lange, fast schon süße Sekunden sahen sie sich nur an. Die Zeit stand still. Dann ließ Jake von ihr ab, drehte sich um und ging ein paar Schritte in den Raum hinein. Für die nächsten Tage waren sie Gefangene dieses Hauses und ihrer eigenen Welt.

 



Die Zeit verging noch viel langsamer, als Amy es sich vorgestellt hatte. Jake hatte von irgendwoher Whisky besorgt, der zumindest die groben Schmerzen betäubte. Den Rest erledigten Zigaretten und die bodenlose Hoffnungslosigkeit. Tagsüber waren sie damit beschäftigt, Wache zu halten. Nachts wechselten sie sich ab. Wie lange sie sich wohl schon in dieser Ruine versteckten? Zwei Wochen? Oder waren es nur zwei Tage? Glücklicherweise betäubte der Alkohol auch den Hunger. Jake verkraftete die ganze Situation wesentlich besser als Amy. Die Feindseligkeit des Streites war schon lange verflogen. Sie mussten schließlich füreinander da sein, um heil aus der ganzen Sache rauszukommen. 






   




„Amy?“ „Hmm?“ „Ich hab lange nachgedacht. Es gibt da noch eine Möglichkeit. Doch die ist gefährlich. Und ich habe dich schon einmal in Gefahr gebracht. Ich weiß nicht, ob es klappt. Wenn nicht, sind wir entweder tot oder für den Rest unseres Lebens hinter Gittern.“
„Tun wir‘s“.


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