Donnerstag, 4. Juni 2015

Rockavaria 2015: Brüste, Brezeln und Bier!




Accept rocken die Bretter!


Bayern! Und das auch noch im Frühsommer. Aber ich hatte allen Grund dazu, ein Wochenende im Land des Bieres und der (leider enttäuschenden Brezeln) zu verbringen.







Aufbau der Mainstage
Es ist Festivalsaison, und im Olympiapark findet das „Rockavaria“ vom 29.-31.05.2015 statt. Ein Rockfestival, welches versucht, an Größen wie „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ anzuschließen. Durch glückliche Umstände hatte ich dank eines Access-All-Area-Passes die Möglichkeit, auch hinter die Kulissen des rockigen Treibens zu blicken. Da sich das Gelände mitten in München befindet, besteht nicht die Möglichkeit, sein Zelt aufzuschlagen. Die Besucher sind auf ein Hotelzimmer, eine Jugendherberge oder einen Tagesbesuch angewiesen. Dieser Umstand mindert leider das Festival-Feeling: Keine sich anbrüllenden Flunky-Ball-Spieler, keine in der Sonne brutzelnden Alkoholleichen, keine Morgensterne aus leeren Bierdosen und keine übel riechenden Langhaarigen nach dem zweiten Tag. Gut, der letzte Punkt ist verkraftbar. Die Mainstage steht im Olympiastadion auf einer großen Asphaltfläche. Die Sitzplatzränge rund um die Bühne bieten zusätzlichen Platz für die knapp 40.000 Besucher. Die Second Stage befindet sich in der Olympiahalle. Frische Luft wird hier vergebens gesucht, aber die Klimaanlage versucht ihr Bestes. Ein großer Vorteil des geschlossenen Raumes ist die Dunkelheit während des Tages. Die wirklich gute Lichtshow kommt hier vollends zur Geltung. Auch der Sound ist besser. Klar, nach dem 8., 9. Bier ist es einem sowieso wumpe, wie Licht und Sound wirken. Hauptsache es macht Spaß und knallt gut. Klein-Pinsel als anspruchsvolle Festival-Besucherin achtet allerdings auf so etwas. 


Mainstage am Abend vor Festivalbeginn
Für mich ist es der pure Luxus, im Hotel bis mittags zu schlafen, meinen Kram zu packen und mich dann nach einer erfrischenden Dusche auf den Weg zum Gelände zu machen. Ich packe meinen Kram in einen Rucksack und mache mich dann tiefenentspannt neben der Video-Regie fertig. Noch ein Kaffee, und ab geht der Festivalalltag. Das Gelände ist verwinkelt und überall von scharfen Security-Männern bewacht, die bereit sind, im Zweifelsfall zu töten (leichte Übertreibung der Redaktion). Die Menschen, denen ich auf meinen Streifzügen begegne, sind freundlich und zum großen Teil nüchtern. Bis auf einen aufdringlichen, viel zu betrunkenen Bayer kann ich nichts Schlechtes über die Mentalität der Besucher sagen. Langhaarige Bombenleger sind rar gesät. Das Rockavaria ist kein wirkliches Metal-Festival. Da fällt Frau mit ihrer Bundeswehr-Buxe schon mal auf.
Tagsüber ist der Platz vor der Mainstage zwar besucht, jedoch könnte man immer noch einen LKW auf dem verbleibenden Platz wenden. Hier unterhalten Bands wie Accept, Five Finger Death Punch, Faith no more und Kreator. Die Stimmung ist gelassen. Vor der Second Stage sieht es etwas erbärmlicher aus. Gut, Namen wie „Babymetal“, „… and you will know us by the trail of death“ und „Tornegro“ sorgen nicht direkt für feuchte Höschen. Stimmung kommt erst in den späten Abendstunden auf, wenn Limp Bizkit, Eisbrecher, Within Temptation, Airbourne, Kiss und Metallica die Bretter rocken. Und selbst dann halten sich Stagediver und fliegende Unterwäsche in Grenzen. Ich denke, das ist dem fehlenden Zeltplatz geschuldet. Alle sind brav, man möchte nur nicht den schönen Boden dreckig machen. 

Ohne Worte
Mein persönliches Highlight sind Airbourne und Five Finger Death Punch. Lachen, Tränen, Rocken, Bier – das volle Programm. Hätte ich mit meinem Pass in die Künstlerkabinen gedurft, dann wäre das „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“-Dreieck komplett gewesen. Sobald das Programm nicht mehr ganz meinen Nerv trifft, setze ich mich in die Video-Regie und schaue den Techniker dabei zu, wie sie das Bildmaterial für die XXL-Videowände an den Bühnen bearbeiten. Es ist total interessant, mal mitzuerleben, wie es hinter einer so großen Show aussieht. Hektische Bühnenarbeiter, die Kisten von A nach B schieben, divenhafte Künstler, die ihre gesamte Show von Licht über Ton bis Kameras selbst ankarren, entnervte Produktionsleiter/-innen und die glücklichen Gesichter, wenn alles gut gelaufen ist. Das Essen im Catering ist gut und reichlich, es gibt noch bis tief in die Nacht Getränke, Kaffee und belegte Brötchen. Die Vermutung, am dritten Tag sei alles mit Käse überbacken, hat sich zerschlagen. Mein Kompliment! Generell kann ich nichts Negatives sagen. Klar, jeder hat seinen Job ernst und gewissenhaft gemacht, aber unfreundlich oder böse war niemand. 

Metallica in 3...2...1...
Und so kümmere ich mich zwischen meinen Rock- und Pirscheinlagen um Kaffee-Botengänge für die Videocrew, besorge Essen oder klaue dem Projektleiter sein Kickboard und roller durch die Olympiahalle. Oder setze mich mit einem Kaffee in eine ruhige Ecke und genieße die Musik. So ein Event bietet mir persönlich auch die Möglichkeit, für meine eigene Band Erfahrungen zu sammeln. Sowohl beim Beobachten der Künstler in ihrem Element, als auch durch das ganze Drum-Herum.
Am letzten Abend, nachdem Metallica und Within Temptation das Fesival abgeschlossen haben, geht es an den Abbau. Was zwei Tage lang aufgebaut wurde, wird innerhalb von drei Stunden in Kisten und anschließend in den LKW verfrachtet. Holla die Waldfee! Wie schnell eine so große Bühne in ihre Einzelteile zerlegt werden kann. Da ich keinerlei Ahnung von der Technik habe, habe ich mich durch Kabelaufwickeln versucht, nützlich zu machen. Mehr oder weniger erfolgreich. Mehr Spaß hatte ich da mit dem Tape, mit dem die Kabel anschließend geklebt werden.

Mein Fazit des Festivals: Die Stimmung hätte besser sein können, aber es hat tierischen Spaß gemacht! Immer wieder gern. Das sage ich als Besucherin – was die Technik dazu sagen würde, steht auf einem anderen Blatt.   

Kommentare:

  1. ich mag deinen schreibstil unglaublich gern, es macht mir verdammt spaß deine texte zu lesen - meistens hör ich bei so längeren blogtexten schon in der mitte auf, muss ich ganz ehrlich sagen, aber hier ganz sicher nicht. tolle eindrücke, die du da geschildert hast! aber darf ich dich nach dem grund fragen, weswegen du überhaupt beim rockavaria warst? einfach der freude wegen, oder einem bestimmten ziel folgend?

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  2. Sehr interessanter Bericht! Ich war in der vergangenen Woche am Rock in Vienna, das ja vom selben Veranstalter ist. Wie war denn die Organisation? Ich habe einiges an Negativem gehört und am RiV sind auch noch einige Verbesserungen notwendig..
    Sehr cool auch, dass du einen AAA-Pass bekommen hast! Ich hätte auch gerne mal die Möglichkeit, mir so einen Festivalalltag backstage anzuschauen.

    lg
    http://volume-injection.at/

    P.S.: Ich glaube, die Band, die du als "Tornegro" betitelt hast, heißen in Wahrheit Turbonegro.. ;D

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