Donnerstag, 14. Mai 2015

Was wäre wenn... Metal im Jam Club


Hämmernde Beats, gröhlende Stimmen und schwitzende Fans. So hätte eigentlich mein 9. Mai im Jam Club aussehen sollen. Doch wie das Schicksal so will, liege ich mit einer dicken Erkältung samt Nebenhöhlenentzündung flach. Applaus applaus applaus.
Dieser kleine Umstand hält mich aber keineswegs davon ab, euch von dem Abend zu berichten! Aber eben in der Light-Version. Hier sind drei Versionen des Konzerts, wie es hätte passieren können, wenn ich nicht gerade außer Gefecht gesetzt wäre.



     1. Der Traumfänger-Abend
  
Der Soundcheck der Band „Dying Georgous Lies“ verläuft reibungslos. Sie sind Opener an diesem milden Abend im verrauchten Jam Club (warum sind solche Rock-Kneipen eigentlich immer verqualmt? Sind Zigaretten unerlässlich für Heavy Metal?). Als zweites auf der Running Order stehen „The Wicked Chambers“ und „Ceaseless Torment“, letztere ihres Zeichens echte Finnen. Es verspricht also mal wieder, laut und lustig zu werden. Nachdem der Opener die Massen mit einer kraftvollen Perfomance mit weiblichem Touch ordentlich angeheizt hat, stürmen die Musiker der Chambers die Bühne. Schon der erste Song schlägt ein wie eine Bombe! Das Publikum ist gut drauf und lässt sich vollkommen auf die Show der Band ein. Nicht nur die musikalische Leistung überzeugt an diesem Abend, auch der Spaß auf beiden Seiten spricht für sich. Schweiß, Blut, Tränen…. Was fließen kann, fließt! Der tosende Applaus bestätigt die fünf Koblenzer in ihrem Schaffen. Sie bieten eine gelungene Überleitung für die trashigen Finnen. Auch sie punkten nicht nur mir musikalischem Know-How, sondern auch mit Bühnenpräsenz und Charisma. Nach der Show regnet es Konfet… ähm Kronkorken auf die jubelnden Massen. Die Bands können sich vor belagernden Fans kaum retten. Autogramme hier, Fotos da. Nachdem sich die erste Aufregung etwas gelegt hat, kommt ein Talent-Scout von Napalm Records auf die Wicked Chambers zu und bekundet sein reges Interesse an einer künftigen Zusammenarbeit. Bier und Whiskey werden von attraktiven Damen in Lederminis serviert und gehen selbstverständlich aufs Haus. Der Abbau des Equipments wird von Roadies organisiert, die sich aufgrund der hervorragenden Leistung freiwillig gemeldet haben. Alles in allem gelungener Abend für Musiker und Fans!


  1. Realitätärätä
Andi The-Wicked rockt die Bühne
Im Jam Club steht ein Abend voller Power- und Trash-Metal an. Das Programm gestalten „The Wicked Chambers“, „Dying Georgous Lies“ und „Ceaseless Torment“. Die fünf Musiker der Chambers aus Koblenz mussten leider kurzfristig absagen, da die Sängerin krank im Bett liegt. Einen gelungenen Ersatz bietet „Andi The-Wicked“, ein Solokünstler, ebenfalls aus dem Raum Koblenz. Das Publikum ist guter Dinge und gespannt auf die Ereignisse der nächsten Stunden. Andi beginnt mit Gitarrenriffs und Fingerakrobatik, die ihresgleichen suchen. Er beeindruckt Zuschauer und Mit-Musiker sowohl mit seiner musikalischen Darbietung, als auch mit witzigen Ansprachen. Ein solides Intro für die folgenden Bands. Es folgen Dying Georgous Lies. Die Frontfrau mit Kriegsbemalung geht ans Mikro und growlt, dass die Wände wackeln. Die Band hat sichtlich Spaß auf der Bühne und versteht ihr Handwerk. Auch das Publikum ist zufrieden und lässt sich von den dunklen Melodien mitreißen. Headliner des Abends, die finnischen Musiker von Ceaseless Torment, bilden das Sahnehäubchen der Show. Trash-Fans kommen hierbei voll auf ihre Kosten. Die Stimme des Sängers überzeugt, und die Ausstrahlung des Ensembles rundet den Auftritt ab.
Nachdem der musikalische Teil des Abends erfolgreich über die Bühne gegangen ist, finden sich Fans und Bands an der Bar zusammen, um auf die Leistung und den Spaß zu trinken. Alles in allem ein Abend mit soliden musikalischen Darbietungen, bei dem die Fans auf ihre Kosten kommen!


  1. Worst-Case – Oh mein Gott, was haben wir getan?
Es regnet. Gewitter. Tornado! Unglaublich. Die drei Bands, die an diesem Abend den Jam Club rocken sollen, haben sich noch nicht vollständig in der Location eingefunden. „Dying Georgous Lies“, eine female-fronted Trash-Metalband aus Kulmbach, stehen im Stau. „The Wicked Chambers“, ihres Zeichens Power-Metaler aus Koblenz, sind beim Soundcheck. Die finnischen „Ceaseless Torment“ haben sich mit einer Kiste Bier in den Backstage Bereich zurückgezogen. Mein Finnisch ist etwas eingerostet, aber ich glaube „tju lklih gnaaadf hjeu“ in Verbindung mit dem Taschen-Flammenwerfer bedeutet nichts Gutes. Der Soundcheck verläuft nüchtern, der Techniker ist damit beschäftigt, sich die nächste Line zu bauen. Aber er meint, der Sound geht schon klar. Hauptsache laut. Und meine Herren, laut ist es. Wie gut, dass ich meinen… ach verdammt! Mein Gehörschutz liegt daheim auf dem Waschbecken. Dass ich den auch immer sauber machen muss. Nun gut. Ich blicke gespannt dem Beginn der Show entgegen. The Wicked Chambers eröffnen kraftvoll den Abend. Wer noch nie etwas von Power-Metal gehört hat, wird nun nie wieder von ihm loskommen. Die Darbietung der fünf Musiker wird jedoch abrupt unterbrochen, als einer der Scheinwerfer auf die Bühne kracht. Genau auf den Fuß des Gitarristen. Da man glücklicherweise nicht zwangsläufig Füße braucht, um Gitarre spielen zu können, geht es weiter. Respekt! Die zwischenzeitlichen Aussetzer der Boxen stören das Publikum wenig. Es wirkt etwas benebelt, möglicherweise hat der Techniker nachgeholfen. Selbst die Rauchschwaden, die aus dem Backstage-Bereich strömen, scheinen nicht zu beunruhigen. Nachdem die Koblenzer Musiker eine ordentliche Show gerockt haben, sollten Dying Georgous Lies folgen. Blöderweise interessiert es den allgemeinen Verkehr nicht, wer wann wohin muss. Ceaseless Torment erklären sich bereit, schon früher als geplant auf die Bühne zu gehen. Nachdem der Licht-Mann versichert hat, dass alle weiteren Scheinwerfer sicher befestigt sind, heizen die Finnen das Publikum ordentlich ein. Naja… Zumindest während der ersten beiden Songs. Als der dritte Song angespielt wird, kippt der Schlagzeuger volltrunken von seinem Hocker. Scheiß drauf!, denkt sich der Rest und rockt munter weiter. Als es jedoch auch den Bassisten aus den Latschen haut, nachdem er über ein Kabel gestolpert ist, hat auch der Sänger keine Lust mehr. Mit Karacho schleudert er das Mikrofon ins Publikum, wo es einen nichts ahnenden Fan am Kopf trifft. Kopfschmerzen garantiert! Der Techniker erzählt mir etwas von grünen Einhörnern und der Clubmanager bekommt die Flammen im Backstage-Bereich nicht mehr unter Kontrolle. Der Jam Club muss vollständig evakuiert und von der Feuerwehr gelöscht werden. Nun trudeln auch Dying Georgous Lies ein. Es regnet immer noch. Eigentlich hätte man sich unter den Umständen die Feuerwehr sparen können, aber man geht ja auf Nummer sicher. Alles in allem ein absolut misslungener Abend. Die musikalischen Leistungen – als sie denn mal einigermaßen zu hören waren – waren gut. Aber das reicht nun mal nicht.


Zum Glück eingesprungen: https://www.facebook.com/andithewicked?fref=ts

Natürlich hofft jeder Musiker, dass bei einem Auftritt alles glatt läuft: viel Spaß auf der Bühne, ein glückliches Publikum, super Ton und eine ordentliche Gage. Aber leider sieht die Realität nicht immer so aus. Zum Dasein eines Musikers gehören Geschleppe, Nervenstrapazen, Zusatzkosten und stressbedingte Krankheiten. Und wofür? Für den Spaß an der Musik und das Glänzen in den Augen und dem Lächeln auf dem Gesicht des Zuschauers. Und das ist es nun mal wert.
Wollen wir hoffen, dass die zukünftigen Auftritte eher in richtung Traumfänger als in richtung Worst-Case tendieren. ;)

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