Donnerstag, 5. Februar 2015

Der Modelleitfaden


Als Hobbyfotograf arbeitet man oft mit unerfahrenen Modellen zusammen.  Das macht immer wieder Spaß, bedeutet aber meist mehr Arbeit für den Fotografen. Man muss seine Konzentration nämlich nicht nur auf das Licht oder die richtige Bildkomposition legen, sondern auch dem Model detailliertere Anweisungen geben. Bei erfahreneren Modellen hat man meist eine höhere Ausbeute an gutem Material.

Um einem die Aufregung vor dem ersten Shooting zu nehmen, habe ich eine kleine Anleitung fürs erste Mal erstellt.






Gepflegtes Äußeres
Ein häufiges Vorurteil, dass man mit Photoshop alles richten kann, will ich hier erst einmal wiederlegen. Ein weißes Pferd übersäht mit Grasflecken kann man eben nicht via Photoshop wieder weiß bekommen. Einfacherer ist es das Pferd vorher zu waschen. Genauso geht es auch bei Menschen:
Sind die Haare frisch gewaschen?
Ist ein Fingernagel abgebrochen?
Habe ich mich frisch rasiert?
Sind Stellen sichtbar, die man mit Make up überdecken könnte?
Sind die Klamotten sauber und ohne Falten?
Man sollte gut erholt und frisch am Shootingtermin erscheinen. Ein neues Hautpeeling vor dem Shooting auszuprobieren, damit man reine Haut hat, empfiehlt sich übrigens nicht. Denn bei neuen Methoden weiß man nie, wie die Haut auf die Kosmetika reagiert. Am Ende sprießen mehr Pickel hervor als vorher vorhanden waren oder die Haut ist gereizt und gerötet. Bleibt lieber bei altbewährten Methoden und macht euch wegen einem Pickel keine Gedanken, eine einzelne Stelle lässt sich nämlich leicht via Photoshop entfernen, eine komplett gerötete Haut weniger.
Vor dem Shooting sich den Bauch vollschlagen ist auch keine zu Empfehlende Idee. Eine Kleinigkeit sollte schon gegessen werden, jedoch kein 3 Gänge Menü, sodass man sich danach aus der Tür rollen lassen könnte. Sonst ist man das halbe Shooting mit Bauch einziehen beschäftigt. Lieber nach einem erfolgreichen Tag sich etwas Leckeres gönnen.

Ich habe mich richtig unwohl gefühlt, weil
ich  meine Haare so schlimm fand, sieht
zwar nicht so schlimm aus wie gedacht,
doch schön ist was anderes.

Gefärbte Haare
Sollte man nicht seine Originalhaarfarbe tragen, empfiehlt es sich wenige Tage vor dem Shooting noch einmal nachzufärben. Ein Ansatz kann gewollt und schön aussehen, muss aber nicht. Gerade wenn man weiß, dass man sich mit einem Ansatz nicht wohl fühlt, sollte man dies bedenken, sonst ärgert man sich beim Sichten der Ergebnisse. Ist man sich nicht sicher, am besten vorher beim Fotografen nachfragen.


Make up
Mehr ist weniger gilt hier. Auf Fotos sieht das Make up dezenter aus, als es eigentlich ist. Natürlich sollte man auch nicht übertreiben, generell gilt: Thema des Shootings festlegen, Klamottenauswahl treffen, Make up dazu abstimmen. Oder auch umgekehrt. Manchmal hat man eine Idee für ein schönes Make up und sucht sich dazu die passenden Klamotten. Ein Visagist ist auch eine schöne Sache, doch gerade im Bereich Hobby findet man vielleicht eine Freundin die gut schminken kann oder aber der Fotograf kennt jemanden und hat sich vielleicht selbst Fähigkeiten dazu angeeignet.
Manche Menschen haben strapazierfähigere Haut als andere. Das heißt man kann verschiedene Make ups probieren oder auch nicht. Wenn die Haut nach dem abschminken so gereizt wäre, dass weiter zu shooten nicht sinnvoll wäre, fängt man hierbei mit einem dezenten Make up an und kann das ganze weiter ausbauen.





Isa und David hatten 4 verschieden Outfits
dabei und alle passend zueinander
abgestimmt.
Auswahl der Outfits
Wenn kein bestimmtes Thema vereinbart wurde, ist die Klamottenauswahl meist groß. Es ist auch immer sehr praktisch viel dabeizuhaben, aber letzten Endes trefft ihr die Entscheidung was ihr tragen wollt und nicht der Fotograf. Eine kleine Vorauswahl mit Kombinationsmöglichkeiten sollte gegeben sein. Wenn ein Outddoorshooting ansteht, eignet sich hierfür am besten das sogenannte Zwiebelsystem. Accessoires zum Kombinieren, mehrere Kleidungsschichten, verschiedene Jacken und bei langen Haaren z.B. ein Haargummi, zum Verändern der Frisur. Das gestaltet die Bilder abwechslungsreicher, als das ganze Shooting dasselbe Outfit zu tragen. Da oft keine Möglichkeit zum Umziehen gegeben ist, eignet sich ein Top zum unterziehen oder eine Strumpfhose zum  dezenten Wechseln der Klamotten.
Wenn man zu zweit oder mit mehreren auf das Foto möchte, sollten die Outfits aufeinander abgestimmt sein. Wenn der eine giftgrün und der andere quietschpink trägt, vermittelt das womöglich nicht die Stimmung, die vermittelt werden soll.


Tabea und Christina hatten richtig viel
Spaß zusammen und konnten sich
gegenseitig noch Tipps geben.
Begleitperson
In vielen Fällen ist der Fotograf eine noch unbekannte Person und man hat anfangs noch Hemmungen
ganz aus sich herauszukommen. In diesen Fällen ist nicht nur zum eigenen Schutz, sondern auch für eine lockere Stimmung eine Begleitperson ratsam. Wer sonst, als die beste Freundin/der beste Freund weiß, wie man jemanden am besten zum Lachen bringt? Vielleicht möchte man auch zu zweit Fotos machen?


Posen, Posen, Posen
Ich erlebe es oft, dass ein Model schüchtern in die Kamera guckt und am liebsten die Arme in die richtige Position gebogen bekommen möchte. Dies wirkt allerdings sehr gestellt und unnatürlich und man sieht oft im Gesicht des Models, dass es sich in dieser Pose nicht wohlfühlt, da es nicht weiß, wie diese wirkt. Deshalb ist es wichtig, sich vorher schon einmal Posen angeschaut zu haben. Dazu braucht man kein extra Buch, eine einfache Modezeitschrift oder ein Klamottenkatalog hilft auch schon weiter. Wer möchte kann sich auch Bilder von Fotografen und Modellen im Internet suchen. Ratsam ist es auch diese Posen, als auch die Mimik, vor dem Spiegel zu üben. Man kommt sich zwar vor der Kamera in dem Moment doof vor, aber die Ergebnisse sprechen eine andere Geschichte.
Während des Shootings sollte man sich die bisher entstandenen Bilder immer wieder zeigen lassen. Vielleicht fällt einem selbst etwas auf, was der Fotograf nicht sieht?

Gerade bei Pfeil und Bogen haben wir uns vorher informiert,
wie man diesen richtig hält und haben verschiedene Posen für
die Fotos überlegt.


Bildverwendung und Rechte
Diese sollten vor dem Shooting geklärt werden. Möchte man die Bilder nur für sich haben, dann
sollte man sich fragen, warum der Fotograf sich kostenlos hinstellt und Fotos schießt. Das wird wohl keiner machen, denn auch ein Hobbyfotograf steckt Zeit und Geld in die Fotos. Deshalb gibt es sogenannte tfp-Verträge. In diesen „time for print“ Verträgen werden die Rechte geregelt: Wofür darf der Fotograf die Fotos verwenden, wofür das Model? Tfp-Basis bedeutet jeder zieht seinen Nutzen aus den Fotos, weshalb keine entgeltliche Leistung fließt. Diesen Vertrag lässt man sich vorab zuschicken, sodass man ggf. Änderungswünsche äußern kann. Ich habe zum Beispiel schon erlebt, dass jemand auf keinen Fall auf facebook landen wollte, die Bilder aber für Homepage, Ausstellungen etc. verwendet werden dürfen.




Die Thermoskanne mit heißem Tee hatten wir leider zu Hause
vergessen, Zum Glück war es in der Sonne warm.
Outdoorfotografie
Nicht jeder hat eine lichtdurchflutete Wohnung oder ein Homestudio zur Verfügung. Fotografieren
bedeutet übersetzt „Malen mit Licht“, das heißt es muss auch Licht vorhanden sein. Deshalb und auch wegen der abwechslungsreichen Locations weicht man üblicherweise nach draußen aus. Hier gibt es eine Faustregel für den Sommer: zwischen 11 und 3 hat der Fotograf frei. Gerade bei praller Sonne herrscht sehr hartes Licht, man bekommt starke Schlagschatten und das möchte wirklich keiner. Man nutzt besser das Zauberlicht zu Beginn oder zum Ende des Tages, dieses wirkt am schönsten.
Je nach Jahreszeit sollte man sich vorher auch auf die Temperatur einstellen. Während unseres Alice Shootings war es eiskalt, sodass wir uns immer wieder abgewechselt haben und der Rest sich aufwärmen konnte.



Extrem Make up wirkt besonders gut im Studio.

Studiofotografie
Im Studio vor einer weißen Leinwand gehen einem nach eigener Erfahrung irgendwann die Posen aus. Damit die Bilder nicht langweilig wirken, ist es hilfreich Accessoires zu haben, wie Beispielsweise ein Musikinstrument, ein Fächer etc. Man kann auch viel mit unterschiedlichen Klamotten und Make ups arbeiten. Das macht das Shooting um einiges spannender.







Ideen bekommen
Der meiner Meinung nach wichtigste Punkt, über den man Romane schreiben könnte. Ich finde es wichtig, dass gerade bei einer Anfrage durch ein Model auch Ideen von ihm kommen. Woher soll ich bei einer mir unbekannten Person wissen, was ihr gefällt? Natürlich fragt die Person mich in dem Wissen um meinen Bildstil an, doch auch für einen Fotografen ist es leichter, wenn man weiß, dass das Model Musik liebt und eine Geige besitzt.
Ich inspiriere mich sehr viel durch anschauen anderer Bilder. Man läuft schon irgendwo Gefahr so stark inspiriert zu werden, dass man letzten Endes unbewusst etwas kopieren könnte. Doch welche Idee ist nicht schon einmal jemanden in den Sinn gekommen? Man kann das Rad nicht neu erfinden, man kann es optimieren oder auch neu formen.

Fotografenseiten, Blogs, DeviantArt… ich schaue mir viele Fotos an und die schönsten speichre ich mir ab, um sie immer wieder ansehen zu können. Dank des Internets sind diese Bilder allen zugänglich und wer würde seine Fotos online stellen, wenn sie nicht gesehen werden sollen?



Vielen Dank übrigens auch an Björn Hennicke für die Bilder auf denen ich zu sehen bin.

Kommentare:

  1. Ich finde deinen Modelleitfaden wirklich klasse! Verständlich geschrieben und wirklich hilfreich! Damit werde ab sofort deine Shootings mit neuen Models sicher noch stressfreier :)

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  2. Das ist wirklich auch ein toller Leitfaden! Ich werde deinem Blog nun folgen. Da scheinen regelmäßig interessante, hilfreiche Posts dabei zu sein! ;)

    Liebe Grüße
    Judith

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    1. Hallo Judith,
      freut mich, dass er dir gefällt und noch viel mehr fürs Folgen!
      Wenn du Wünsche oder Anregungen hast, kannst du dich mit diesen auch gerne an uns wenden ;-)

      Viele liebe Grüße
      Shay

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